Die Bilder des 42-jährigen Mexikaners folgen einer finstren
Farbdramaturgie, ihr Fokus scheint uns aus den Uschärfebereichen (der
Erinnerung?) anzuziehen, in denen stets die Schatten stärker als das
Licht die Stimmung prägen. Einflüsse auf diese Gedankenwelt findet
Gerardo Montiel Klint in der Literatur, in Romanen von Salvador Elizonno
und Mario Bellatin. Während der Vorbereitung seiner Projekte
recherchiert er in philosophischer, psychologischer und
anthropologischer Fachliteratur. „Heute werden wir bombardiert von
Bildern der Gewalt“, analysiert er unser Medienzeitalter. „Die
zugespitzte menschliche Tragödie ist zweifelsohne eine Metapher für den
Beginn eines neuen, dunklen Milleniums.“ Die gegenwärtige Situation der
Menschheit betrachtet der Fotokünstler wenig positiv.
„Die Essenz dieser
Bilder ist die Suche, die Konfrontation und das Gegenüberstellen von
Gut und Böse im zeitgenössischen Kontext von Migration, Armut, der
Gewalt gegen Frauen und der Perspektivlosigkeit der Jugend.“ In seiner
neuen Serie zeigt der in Mexiko City lebende Fotograf sein Heimatland
zwischen den Jahrhunderten. „So kann ich Konflikte bewusst machen, die
das Unterbewusstsein der Gesellschaft offenlegen.“ Noch, so Klint,
scheint die menschliche Gewalt zivilisatorisch gezähmt, doch derzeit
werde die Aggression mit vielen schrecklichen Bildern hochgekocht. Was
sich in seinen abgründigen Krimi-Fotos wirklich verbirgt, ist ein tiefer
Pessimismus gegenüber der gesellschaftlichen Entwicklung, die er
hyperrealistisch wiedergibt. Die Blumen des Bösen zeigen uns ihre
Blüten. Und der Mensch scheint sie fassungslos zu bestaunen.
Manfred
Zollner