Eine günstigere 7D oder eine verbesserte
500D? Damien Demolder, unser EISA-Kollege der britischen Fachzeitschrift
Amateur Photographer, hatte die Gelegenheit, diese Frage für fotoMAGAZIN anhand
eines Vorserienmodells der neuen EOS 550D zu beantworten
Im EOS-Line-Up gibt es bereits drei verschiedene Gehäuse für Einsteiger. Einige davon haben bereits einige Zeit auf dem Buckel, doch gibt es gewiss offensichtlichere Lücken im Canon-Sortiment als die zwischen Einsteigern und Enthusiasten. Trotzdem hat Canon mit der EOS 550D ein weiteres Modell in diesem Segment vorgestellt. Man könnte argumentieren, dass eher die EOS 1000D eine Verjüngungskur nötig hätte. Wie auch immer, die Firma hat sich dafür entschieden, mit der 550D das Segment der ambitionierten Einsteiger zu stärken und das Modell zwischen der EOS 500D und der 50D angesiedelt. Hier passt sie allerdings auch nicht wirklich, denn der 18-Megapixel-Sensor der Neuen verweist beide Geschwister mit den 15,1-Megapixel-Sensoren auf die Plätze. Der Vergleich mit der EOS 7D – Canons zuletzt vorgestellter D-SLR – kann nicht vermieden werden, da die 550D viele ihrer Charakteristika diesem Modell verdankt. Die Frage, ob nun die 550D eine abgespeckte EOS 7D oder eine aufpolierte 500D ist, kann daher nicht sofort und ohne weiteres beantwortet werden.
Die wichtigsten Spezifikationen im Überblick:
In der Hand
Das erste, was mir auffiel, als ich die neue
Kamera sah, war dass die Gehäuseform leicht abgewandelt ist. Die Basis des
Pentaprismas ist breiter als in vorherigen Modellen und die Seite über der
Kamera-Bezeichnung scheint ebenso gerundeter, wie der Übergang des Gehäuses zum
Bajonettanschluss. Der neue Griff und die Beschichtung des Gehäuses tragen zu
einem verbesserten Halt in der Hand bei. Besonders das gummierte Feld an der
linken Vorderseite trägt dazu bei. Für so eine leichte Einsteigerkamera scheint
die 550D außergewöhnlich gut gefertigt zu sein. Zugegeben, sie hat nicht die
Solidität einiger hochwertiger Modelle, hält aber dem Biegen und Brechen des Alltags
stand. Die Dichtungen scheinen gut zu sein und, obwohl die Kamera nicht als
wetterfest bezeichnet wird, scheint die 550D in der Lage zu sein, einer
gewissen Menge Regen standzuhalten. Eine Menge Kunden werden enttäuscht sein,
dass Canon für die Kamera einen neuen Akku vorgestellt hat. Mir wurde gesagt,
dass es notwendig war, um Auflagen aus Japan zu erfüllen. Der LPE8 wird nicht
einfach zu kopieren sein – was sicherlich das war, was Canon wollte – erfordert
aber auch ein neues Ladegerät/neuen Adapter sowie einen anderen Batteriegriff
BG-E8. Wie üblich bringt dieser entweder zwei Akkus oder 4 AA-Rundzellen unter.
Alles in allem fühlt sich die Kamera gut an und liegt prima in der Hand. Auch
wenn sie günstiger ist als viele andere im EOS-Sortiment, sie kostet viel Geld
und sollte sich gut gemacht und solide anfühlen.
Sparversion
der 7D oder 500D mit mehr Pixeln?
Der neue 18-Megapixel-CMOS-Sensor wird auf
Enthusiasten eine gleichermaßen große Anziehungskraft ausüben wie auf
Einsteiger, auf die das Modell abzielt. Obwohl der Sensor dem in der 7D sehr
ähnlich ist, nutzt er in der 550D nur die Hälfte der Auslesekanäle, sodass er
trotz eines Digic-4-Prozessor nicht die Bildfrequenz von acht Bildern pro
Sekunde der 7D erreicht. Die technischen Daten attestieren der 550D dennoch
eine Höchstgeschwindigkeit von angemessenen 3,7 Bildern pro Sekunde. Mike Owen
von Canon Europa sieht keine Grund, warum der Sensor nicht ebenso gute
Bildqualität wie die doppelt so teure EOS 7D liefern sollte. Den Mehrpreis
zahlen die Kunden bei der 7D für die Fertigungsqualität und weitere
Ausstattungsmerkmale. So kann die 550D zwar das drahtlose Blitzsystem über ein
montiertes Speedlite auf dem Blitzschuh steuern, ist aber nicht in der Lage,
die Steuerung über den Pop-Up-Blitz vorzunehmen wie es die 7D kann. Beim
gleichzeitigen Speichern von RAW- und JPEG-Dateien haben 550D-Nutzer außerdem
nur die Möglichkeit, das größte JPEG auszuwählen. Besitzer der 7D haben weiter
reichende Möglichkeiten, unterschiedliche Bildgrößen und Kompressionen einzustellen.
Die 7D hat ein Magnesiumgehäuse, während die 550D aus Kunststoff und Fieberglas
gefertigt wird. Wie Canon sich vorstellt, je wieder eine 500D zu verkaufen,
kann ich mir nicht erklären – hat sie doch keine Vorteile gegenüber einer 550D,
die nicht mehr kostet.
Was neu ist
EOS 500D und 550D teilen den selben 9-Punkt-Autofokus und verfügen beide über Spot-, Selektiv-, Mehrfeld- und die mittenbetonte Messung. Die Neue übernimmt allerdings die so genannte iFCL-Messung der 7D, welche mit 63 Zonen in zwei Schichten arbeitet und kräftige Farben besser verarbeiten können soll. Beide vorgenannten Kameras verfügen über ISO-Werte bis 12.800, aber in der 550D hat Canon eine benutzerdefinierte Limitierung im Auto-ISO-Modus eingeführt.
Um unsere Meisterwerke anzuschauen, haben wir ein neues drei Zoll großes Clear-View-LCD, das mit einer Auflösung von 1.040.000 Pixeln alle anderen EOS-Modelle übertrifft. Obschon es in den Situationen, in denen ich die Kamera benutzt habe, klar genug scheint, ist es nicht das Clear-View-II-System, über das die EOS 7D und die EOS-1D Mark IV verfügen. Canon hebt außerdem hervor, dass der Bildschirm mit einem Seitenverhältnis von 3:2 dem Format des Sensors und damit dem der Fotos folgt, die wir nun ohne schwarze Streifen ober- und unterhalb des Bildes betrachten können. Video-Fans wird gefallen, dass die Kamera Modi für 24/25 und 30 Bilder pro Sekunde bei Full-HD-Auflösung anbietet und 50 und 60 Bilder pro Sekunde im 720p-Modus. Wie die 7D erlaubt die 550D die volle manuelle Kontrolle beim Filmen. Eine Schnittstelle für ein externes Stereomikrofon sollte vernünftige Audioaufnahmen in Stereo ermöglichen. Ein neues Ausstattungsmerkmal, genannt Crop-Movie-Modus, erlaubt eine siebenfache Vergrößerung der Brennweite, indem in VGA-Qualität gefilmt und nur der zentrale Bereich des Sensors genutzt wird. Zur besseren Bedienung ist ein dezidierter Start-/Stop-Knopf eingeführt worden. Weiterhin interessant ist die Weiterentwicklung der Firmware. Sie ermöglicht das Einstellen von Eye-Fi-Speicherkarten über das Menü und macht die EOS 550D zur ersten EOS-Kamera, die zu den neuen SDXC-Speicherkarten kompatibel ist. Diese sollen Kapazitäten von bis zu zwei Terabyte ermöglichen. Momentan müssen wir uns allerdings noch mit einer maximalen Kapazität von 64 Gigabyte zufrieden geben. Die Wahl der Speicherkarte hat einen großen Einfluss auf die maximale Anzahl an Bildern, die die Kamera in Folge aufzeichnet. Hier ist nicht die Kapazität, sondern die Geschwindigkeitsklassifizierung der Karte entscheidend, ob die Kamera 30 oder 250 Bilder in Folge aufnimmt.
Mehr Pixel = gut
Wie hunderte Canon-Sprecher vor ihm, nennt Mike
Owen das Firmen-Mantra: Bildqualität sei der wichtigste Gesichtspunkt im Design
und in der Entwicklung eines jeden Canon-Produkts. Und, ja, die Bildqualität
einer Kamera dieser Klasse würde durch die Addition dreier weitere Megapixel
verbessert. Im Gegensatz zu Kompaktkameras, und hier hätten sie mit der
PowerShot G11 ja den Rückschritt auf zehn Megapixel getan, sähe er im
EOS-Segment noch Möglichkeiten, die Pixelzahl weiter anzuheben, so Owen. Es
scheint, als würden 18 Megapixel für die Einsteigerklasse von Canon Standard.
Das wirft die Frage auf, ob die Zoom-Objektive aus den Kits in der Lage sind,
so hoch auflösende Sensoren zu bedienen, aber Mike Owen versichert, die
Objektive könnten das. In Europa wird die Kamera zusammen mit dem EF-S 18-55 mm
f/3.5-5.6 IS oder dem EF-S 18-135 mm f/3.5-5.6 IS verkauft. Diese Zooms seien
beide Objektive der neusten Generation und für moderne Spiegelreflexkameras
gerechnet. Nutzer älterer Objektive hingegen holten aus dem Sensor nicht alles
heraus, was in ihm stecke.
Fazit
Wie bei Tests von Vorserienmodellen üblich, können wir keine Schlussfolgerung über die Bildqualität ziehen, bis wir ein fertiges Serienmodell getestet haben, aber die EOS 550D hinterlässt einen vielversprechenden Eindruck. Sollte sich ihre Bildqualität tatsächlich mit der EOS 7D messen können, wird die Kamera sehr attraktiv sein – gerade auf dem Preisniveau der 500D. Wer bislang mit einer 500D geliebäugelt hat, erhält mit der Möglichkeit, statt 15 nun 18 Millionen Pixel für den Preis zu erhalten, schon ein gutes Kaufargument. Kombiniert mit den Ausstattungsmerkmalen der 7D, sollten Canon-Neulinge und Enthusiasten nun gleichermaßen in der Lage sein, ein neues Qualitätsniveau zu erreichen. Für alle bestehenden Canon-Nutzer ist der Akkuwechsel ärgerlich, aber damit werden wir wohl leben müssen.
Damien Demolder/Übersetzung: tzs
Die EOS 550D soll ab März für rund 730 Euro im Handel sein. Im Kit mit dem EF-S 3,5-5,6/18-55 mm IS kostet sie ca. 830 Euro, mit dem EF-S 3,5-5,6/18-135 mm IS noch 200 Euro mehr (ca. 1030 Euro) Vollständige technische Daten finden Sie hier: Link